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Goodbye alte Birte!

Manchmal muss man einfach von alten Dingen Abschied nehmen, auch wenn es von dem alten Ich ist. Und in jedem Abschied steckt ja auch bekanntlich etwas schönes.

Früher war ich anders! Damals war ich so unbeschwert! Ich hab es immer geliebt, neue Leute kennen zu lernen und Angst hatte ich da nie. All das stimmt. Und all das bin ich heute nicht mehr. Ich habe mich verändert und merke immer wieder, dass ich manchen Dingen hinterher jage, die ich vielleicht loslassen sollte. Vielleicht ist es an der Zeit, der alten Birte auf wiedersehen zu sagen, um der aktuellen Version Platz zu geben und ihr die Chance zu geben, sich vollkommen zu entfalten. Ohne Druck. Ohne Vergleich. Ohne Groll oder das Gefühl, etwas zu vermissen.

Sind wir ehrlich. Als ich mich unbeschwert gefühlt habe, war meine grösste Sorge, wo ich heute Abend feiern gehe und ob der Streit mit meiner Freundin hoffentlich bald rum ist. Oder aber warum der Junge mich nicht mag, obwohl wir doch echt einen Vibe haben. Alles legitime Probleme zu der Zeit. Heute belächele ich es oft. Es fühlt sich kindlich an, obwohl ich mich konkret daran erinnere, mich damals schon so erwachsen gefühlt zu haben. Als ich es geliebt habe, neue Leute kennen zu lernen bin ich durch Australien gereist oder habe studiert und es war unausweichlich, dass man immer mit neuen Leuten konfrontiert wird. In der Rückschau gab es aber auch viel Herzschmerz, weil es immer wieder Abschiede gab, Leute die weitergezogen sind, Leute, die vielleicht doch nicht so gut zu mir gepasst haben und mehr Wegabschnittsgefährten waren. Aber auch das ist mir so viel leichter gefallen als heute. Und das vermisse ich manchmal.

Jetzt Abschied von all dem zu nehmen, heisst nicht, alles zu vergessen oder gewisse Dinge machmal zu vermissen. Sondern zu akzeptieren, das man sich entwickelt hat und gewisse Momente genau richtigen waren, wie sie passiert sind. Ich tue mich wahnsinnig schwer mit loslassen – egal ob Menschen, Emotionen die an Situationen geknüpft sind oder Erlebnisse, die ich gerne noch mal hätte. Aber man kann nur einmal das erste mal etwas sehen oder erleben – und das ist im Grossen und Ganzen auch genau richtig so.

Mein heutiges Ich ist Mama von zwei wunderbaren Jungs. Das heisst unmittelbar Verantwortung für jemanden zu tragen. Das heisst, dass ich schauen muss, dass diese beiden Zwerge zu tollen Kerlen heranwachsen, die wissen dass sie geliebt sind, die wissen wo ihr Platz ist oder wie sie ihn finden können und die hoffentlich neugierig in die Welt schauen. Ich bin Ehefrau, das heisst mein Leben ist von konstanten Kompromissen geprägt. Ich bin nicht alleine, ich leben in einer Familie. Und hier haben 4 Leuten Erwartungen, Emotionen, Vorstellungen und Ideen. Die heisst es irgendwie unter einen Hut zu bringen. Da ist gefühlt nicht viel Platz für Leichtigkeit und Unbeschwertheit.
Ich bin Studentin und dafür verantwortlich, dass ich voran komme. Ich investiere Zeit in mich und die möchte ich nutzen. Das ich diese Chance nutzen kann, heisst, dass andere ein Stück zurücktreten und mir Platz geben. Das ist vollkommen richtig, aber dafür möchte ich mich auch mit Erfolg und einer Ernsthaftigkeit im Studium erkenntlich zeigen. Das heisst aber auch, dass das Studentenleben weitaus weniger abwechslungsreich ist wie noch in den 20ern.
Ich bin Freundin und habe vielleicht nicht mehr die schiere Menge an Freunden, dafür aber Leute, die mich teils seit mehr als 20 Jahren begleiten oder die mir durch wirkliche Krisen in meinem Leben geholfen haben, bei meinen Highlights dabei waren und mit denen eine Chosen Family entstanden ist, die ich so schätze. Und die ich auch pflegen und wertschätzen möchte. Neue Leute lerne ich natürlich auch noch kennen, aber es ist nicht mehr so einfacher. Ich weiss in Dingen mehr wer ich bin und was ich will und im besten Falle, verstehen sich dann Kinder und Männer auch noch.

Das Gefühl keine Leichtigkeit oder frei und unbeschwert zu sein, treibt mich oft. Das ist wohl ungelogen das, was ich am meisten an meinem jüngeren ich vermisse. Vielleicht weil ich ehrlicherweise falsche Erwartungen daran hatte, was es heisst erwachsen zu sein. Vielleicht hatte ich auch eine falsche Vorstellung von dem was mich erwartet. Oder ich sehe einfach mein Leben mit einer getönten und von Vorurteilen geprägten Brille. Ich liebe es zu reisen und zu entdecken, ich liebe neue Herausforderungen. Und ja, das ist schwieriger geworden, da genau meine Vorstellung durchzubringen. Eben, weil ich nicht alleine bin.
Mehr noch liebe ich es aber Teil einer Familie – sowohl meiner biologischen als auch meiner Chosen Family – zu sein. Zu wissen, ich habe ein Netzwerk, das mich aufhängt, wo ich sein darf wer ich bin. Wo ich unterstützt werde, getragen, aber auch all das zurückgeben darf, was ich bekomme.

Den Wunsch nach Leichtigkeit gebe ich nicht auf. Aber auch die wird anders aussehen als noch mit 20. Sie bedeutet was anderes. Leichtigkeit heute bedeutet sich zu spüren, Dinge nicht immer allzu ernst zu nehmen und ab und zu mal innezuhalten, und den Moment zu spüren, anstatt immer auf der Suche nach dem nächsten zu sein. Leichtigkeit bedeutet für mich, mit der Gewissheit zu leben, dass es vieles Tolles kommen wird – genau dann wenn es passt.

Habt ihr auch Dinge, wo es euch schwer fällt euch zu verabschieden? Teilt gerne eure Gedanken.

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