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Selbstfindung vs. Selbstoptimerung

Sich selbst zu finden in einer Zeit in der alles optimiert wird, ist ganz schön schwer. Genauso wie genau zu wissen, was man denn genau macht.

Eine Freundin von mir bemängelt oft, dass wir in einer Zeit der ständigen Selbstoptimierung leben. Und ich glaube in vielerlei Hinsicht hat sie Recht. Gefühlt jagen alle ihren optimalen Version hinterher. Man muss besser werden, Stillstand wird oftmals missachtet. Egal ob mehr Sport, besserer Job, mehr Geld, tolles Haus, spannende Reisen oder besser zu sein, sich selber zu finden – gefühlt steht der Vergleich ebenso im Fokus wie das Optimierungs-Thema selber.

Ich bin überhaupt nicht frei davon, auch nach Selbstoptimierung zu streben. Seit zwei Jahren kämpfe ich aktiv gegen mein Mehrgewicht und bin auf der Suche nach mir. Zu Beginn habe ich das glaube ich mehr oder minder ausschliesslich zur Optimierung gemacht. Es gibt darum, meinem Schönheitsideal näher zu kommen und die Version von mir wiederzufinden, die besser funktioniert und „heiler“ ist. Nach zwei Jahren kann ich euch sagen, my mindest changed. Nun bin ich auf der Suche nach einem gesunden Körper, der mir noch ein langes und gesundes Leben schenken kann und der mich nicht behindert, Dinge zu erleben oder mein Leben so zu leben, wie ich es mir aussuche. Und ich bin auf der Reise zu mir. Zu all den coolen Dingen über mich, aber auch zu einem Umgang mit den Dingen, die ich finde, die ich vielleicht nicht haben möchte.

Selbstoptimierung für mich ist oftmals gemessen an etwas. Ob es ein gesellschaftilches Bild ist, ein Optimum dass uns Medien und Traumfabriken vorzeigen oder ein kulturell geprägtes Ideal. Irgendwer hat „bestimmt“ wie unser Leben aussehen soll. In diesem Streben nach Optimierung gibt es immer wieder Trends. Sei es ein absolut perfekt organisiertes Zuhause oder die Weltreise, die jeder machen möchte. Was viele dabei vergessen, dieses Optimierungsthema mit eigenen Wünschen und Bedürfnissen abzugleichen. Vielleicht aber auch, weil das nicht jeder kann oder nicht jeder möchte.

Selbstfindung ist für mich die selbstbestimmte, offene Suche nach Antwort zu sich selber. Eben nicht, Instagram zeigt mir, dass meine Küche ordentlich sein muss, sondern die Frage stört mich das Chaos in meiner Küche und wenn ja, was passt in mein Leben. Individualismus wird stets mit zweierlei Mass gemessen. Einerseits ist es das Optimum. Umso individueller du bist, umso spannender und cooler kannst du sein. Anderseits ist es für viele auch ein Zeichen von negativer Besonderheit oder gar Egoismus.

Egal ob du nach etwas strebst, was dir von aussen vorgelebt wird, oder du dir deine eigenen Fragen beantworten möchtest, beides bedeutet Veränderung und Entwicklung. Ich bin fest davon überzeugt, dass es einfacher ist, eine Entwicklung zu durchleben, wenn sie intrinsisch motiviert ist und du selbst erkennst, das du etwas ändern möchtest. Es ist aber auch bestimmt in vielerlei Hinsicht der mühsamere Weg. Denn vielleicht beginnt diese Veränderung mit einem allgemeinen Unwohlsein oder ohne konkrete Frage, was denn geändert werden soll. Ich bin zwar mit einem Thema gestartet, habe aber auf dem Weg mehr als eine Abzweigung genommen und nun sind es viel mehr Themen und ganz wenig Fokus auf das Ursprungsthema. Ich persönlich finde das faszinierend, muss aber auch sagen, dass dieser Prozess für mich nur möglich ist und war, weil ich in meiner Therapie und auch im Austausch mit Freunden und meine Mann immer wieder Anstosspunkte und Gedankenstösse bekommen habe, um eine andere Sichtweise zu bekommen und mich Themen zu öffnen. Alleine wäre ich wohl auch etwas „zielstrebiger“ gewesen, aber ich glaube vielleicht minder erfolgreich. Denn vielleicht hätte ich nie verstanden, dass Dick sein nicht das Problem ist, sondern die Konsequenz für andere Symptome. Und vielleicht wäre ich dann schneller gewichtsoptimiert gewesen, aber hätte meinen Rucksack immer noch genauso voll gehabt.

Ich glaube die erste Frage die sich jeder stellen sollte, der eine Unzufriedenheit bemerkt, oder feststellt, das er sich in etwas nicht mehr erkennt ist folgende: Warum stört es mich? Ist die Antwort, weil ich als einzige nicht zum Sport gehe, würde ich sagen, scheiss drauf. Dann ist es eben nicht dein Ding Dafür hast du andere Hobbys und Dinge, die dir mehr liegen. Ist die Antwort auf die gleiche Frage, warum du mehr Sport machen möchtest, dass du einen fitteren, gesunderen Körper haben möchtest oder bereits Problemchen hast, dann sage ich, los gehst. Such dir etwas, dass dir Spass macht.
Die Medaille hat immer zwei Seiten und das ist auch gut so. Ich möchte gar nicht bewerten, warum ihr eine Veränderung anstrebt. Ich bin persönlich der Meinung, dass wenn der Prozess schon begonnen wird, dann vielleicht richtig und mit der Motivation, für sich selber zu finden, was einen glücklicher und besser macht. Denn der Weg wird nicht immer leicht und zu wissen, dass man es für sich tut, kann hier enorm helfen.

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