Kennt ihr das?
Planungsstadium: Tatendrang 100%, Motivation 100%, Machtbarkeits-Einschätzung: easy peasy
Durchführungsstadium: Tatendrang – wer bitte? Motivation – hat grad Urlaub, Machtbarkeits-Einschätzung: wie lange soll ich das noch machen?
Pläne machen sind glaube ich meine heimliche Liebe – Dinge durchdenken, hübsch aufschreiben, to-do-Listen. Love it! Mein Problem ist dann eher in der Durchsetzung. Der Anfang ist oft gar nicht das schwerste – schwer wird es dann beim Durchhalten. Routinen finden, die passen und dann auch wirklich durchziehen. Oder gar Erfolge feiern.
Mich frustriert das extrem über mich. Einerseits weil es meinen inneren Kritiker – ihr erinnert euch an Alex, oder?- richtig laut werden lässt. Denn eigentlich verstehe ich mich als einen strukturierten, antriebsstarken Menschen, der Dinge anpackt. Anderseits lässt dieses mangelnde Durchhaltevermögen sich auch ganz schlecht mit meinem inneren Wunsch nach Perfektion vereinbaren. Und umso länger ich darüber nachdenke, ist es genau diese Perfektion die mir quasi das Genick bricht. Anstatt einfach zu machen und mal zu sehen, wie es läuft muss alles immer gleich 100% sein, gerne auch schon bereits am Start übererfüllt.
Ich bin einfach kein Typ für diese Anfangsphase. Ich bin ungeduldig und möchte immer gleich zum scheinbaren Erfolg springen. Wenn ich etwas anfange, möchte ich gleich gross damit sein, möchte gleich als erfolgreich wahrgenommen werden. Nach meiner Eigeneinschätzung kommt Alex hier wohl auch wieder ins Spiel – nur keine Schwäche zeigen, nur nicht zeigen, dass man etwas nicht kann und bitte ja nicht scheitern, denn dann bin ich in meiner Selbstwahrnehmung wieder nur ein dicker, dummer Mensch, der nicht viel wert ist.
Wenn ich es so aufschreibe, erscheint es mir irgendwie ganz logisch. Einfach diesen dummen Drang nach Perfektion ablegen. Just do it eben! Letzte Woche habe ich mit einer amerikanischen Freundin darüber gesprochen und für sie war das ganze so klar: einfach machen anstatt sich von seinem eigenen Anspruch hindern zu lassen, denn was ist das schlimmste was passieren kann – es funktioniert nicht und gut ist! So simpel an sich. Aber für mich ist das tatsächlich eine der schwersten Dingen. Einfach machen und wenn es sich nicht gut anfühlt oder nicht mehr passt, ziehen lassen und aufhören. Ohne Gedanken an Scheitern. Aber kann es echt sein, dass dieser Wunsch nach Perfektion mein Durchhaltevermögen so lahmlegt?
Ich denke schon. Denn wenn ich nicht immer alles so zerdenken würde und immer nach der perfekten Lösung suchen würde, wären die Dinge vielleicht machbarer. In kleinere Portionen aufgeteilt, statt immer einem randvollen Teller. So ist jeder Step geplant und angepasst an meinen grossen ganzen Plan. Das macht es aber auch schwerfällig, denn dann brauche ich lange um überhaupt einen Haken machen zu können. Ich tue mich einfach schwer damit einzusehen, dass ich vielleicht nicht immer gleich Vollgas geben muss. Bei allem! Will ich abnehmen, sollen es bitte innerhalb von 4 Wochen 30 Kilo sein. Als wir entschieden haben, dass wir Kinder wollen, wollte ich dann auch gleich sofort schwanger werden. Und wenn ich ein Business aufbauen möchte, dann möchte ich auch gleich ausgebucht sein und alles perfekt machen. Dabei ist der Weg doch eigentlich auch schön. Die Zeit, die mein Mann und ich gemeinsam verbracht haben bevor ich schwanger geworden bin mit einem ersten Sohn (und nein ich meine nicht nur das „üben“) war eine Zeit voller Möglichkeiten, voller Träume und Wünsche für die Zukunft und so ein richtiger Moment, in der nur wir zwei direkt an unserer Zukunft und unserer Idee von der gemeinsamen Zukunft gearbeitet haben. Als ich meine erste Firma gegründet habe, war die Gründungsphase eine so lehrreiche Zeit. Der Aufbau war in ganz vielen Aspekten so viel spannender als das eigentliche Everyday-Business hinterher. Und auch die Reise der Abnahme, die ich nun seit zwei Jahren begehen darf, hat mir so viele Dinge über mich selber gezeigt.
Und dennoch tue ich mich schwer, durchzuziehen. Ich verliere genau diesen Blick für die vielleicht eher kleinen, coolen Dinge auf dem Weg. Und dann dran zu bleiben, wenn es eben mal nicht sofort perfekt läuft, ist scheinbar unmöglich für mich. Und die Ironie ist eigentlich wirklich, dass ich mir dessen ja schon länger bewusst bin. Und trotzdem schaffe ich es nicht kleine Schritte zu machen, damit ich besser durchhalten kann. Ich kann quasi das Durchhhalten-Lernen nicht mal durchhalten. Ein Problem? Sicher. Aber eine positive Sicht hat das Ganze: ich habe bisher noch nicht aufgehört nach einer passenden Lösung zu finden. Also ein wenig Biss habe ich und an dem halte ich jetzt einfach fest. Und hoffentlich begegnet mir auf diesem Weg auch derjenige, der das Wohlwollen einem selbst gegenüber verteilt =)

